Samstag, 24. Dezember 2011



Der Baum

Getrennt von der Wurzel, ohne Verbindung zur Quelle,

steht er nun im Zimmer an besonderer Stelle.
Noch ist er frisch und noch voller Saft.
Er scheint voller Leben, voll Frische und Kraft.

Ein Zeichen für Hoffnung, für Licht in der Welt
und doch schon fast tot, weil die Wurzel ihm fehlt.
So wird er zum Gleichnis für den Zustand der Welt,
die ohne Verbindung zu Gott ins Chaos verfällt.

Noch scheint sie zu leben, noch reicht ihre Kraft,
um den Eindruck zu erwecken, dass der Mensch es schon schafft.
Der Mensch will herrschen und retten und bleibt dennoch nur Gast,
saniert und kuriert, statt an der Wurzel, am Ast.

Geschmückt wie der Baum, verschönt und verziert.
Das Geschöpf ohne Schöpfer ist erschöpft und frustriert.
Verbindung zur Wurzel ist nötiger als je zuvor.
Es stirbt und geht ein, was seinen Ursprung verlor.

von Joachim Krebs
 
 Auch wenn es nicht unbedingt das passendste Gedicht zu Weihnachten ist (wie man eins üblicherweise unterm Tannenbaum erzählt), fand ich es sehr schön und treffend.
Ich wünsche euch/Ihnen allen wunderschöne Weihnachten, einen guten und gesegneten Start ins neue Jahr und dass die Verbindung zu der Wurzel nicht verloren geht, bzw. wieder gefunden wird.

Liebste Grüsse und bis zum neuen Jahr
Olga